Olga Tokarczuk - 

Gesang der Fledermäuse

 

Kampa Verlag 2019

Die alte, schrullige, etwas abseitig wirkende Frau Duszejko, wohnt mit zwei Nachbarn auf einem Hochplateau in der polnisch-tschechischen Grenzregion. In den langen und scheinbar endlosen Wintern hält es dort, außer ihnen, keiner aus. Als ihr Nachbar Bigfoot stirbt, erstickt an dem Knochen eines gewilderten Rehs, steht für die Duszejko fest, der Mensch hat sich gegenüber der Natur schuldig gemacht: Er lockt das Wild zum Essen, um es dann hinterrücks abzuknallen. Er nimmt den Insekten den Lebensraum, er stellt sich an die Spitze der Schöpfung.

 

Dem Leser wird schnell klar, dass Janina Duszejko auf der Seite der Tiere und somit der Seite der Natur steht. Sie klagt das Jagen in den Wäldern an und ist dabei nicht gerade leise, wenn sie sagt, es sei Mord.

Nach einem weiteren Todesfall muss sie erleben, dass ihre Theorie nicht ernst genommen wird.

Die Natur wehrt sich, schlägt zurück. Die Tiere des Waldes haben sich auf einen Rachefeldzug begeben.

 

Olga Tokarczuk thematisiert in „Gesang der Fledermäuse“ ihre Liebe zur Natur, zur Wissenschaft und Symbolik - wie sie das Handwerk der Astrologie erfordert - und überzeugt durch ihre metaphorische Sprache.

Unterhaltende Aphorismen finden sich, wie auch in „Ur und andere Zeiten“ häufig.

Im Gegensatz zu „Ur und andere Zeiten“ gibt es in diesem Roman einige Längen. Die teilweise sehr ausführlich beschriebenen Sternkonstellationen, die für die Protagonistin ohne Frage eine wichtige Rolle bei der Erstellung der Horoskope spielen, empfand ich als langweilig.

Das sehr gut gewählte und gesellschaftskritische Thema erinnerte mich an den Roman „Der Schwarm“ von Frank Schätzing, den ich sehr mochte.

Das Ende überrascht. 

 

Alles in allem ein guter Roman, der sich in meiner „Bestenliste“ hinter „Ur und andere Zeiten“ einreihen muss.

 

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Sabine Gelsing

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