Eine Frau ist verschwunden und niemanden kümmert es.

Das Leben von Ladydi, die mit ihrer Mutter in den mexikanischen Bergen lebt, ist wenig wert. Wie das Leben aller Mädchen dort. Sie müssen hässlich gemacht, als Jungen verkleidet, in Erdlöchern versteckt werden, um Drogen- und Menschenhändlern zu entgehen."Jetzt machen wir dich hässlich, sagte meine Mutter. [...] Vielleicht muss ich dir die Zähne ausschlagen, sagte meine Mutter." Für Ladydi reicht zunächst ein Erdloch, für ihre Freundin nicht.

 

So unvorstellbar, dieses Leben in ständiger Sorge auch ist, so selbstverständlich wird es durch die geschickte Erzählweise der Autorin.

Jennifer Clement lässt das Unvorstellbare vorstellbar werden. Die Stimme der (auktorialen) Ich-Erzählerin ist faszinierend, denn sie nimmt mit, ZEIGT das Leben im Dschungel, zwischen roten Ameisen, Skorpionen, Bierflaschen und Mohnfeldern. Zeigt auch, was Mitgefühl und Freundschaft bedeuten.

 

Die Empfindungen der Figuren, ihre Träume und Traumata, lassen sich aus den Ereignissen schließen, die die Ich-Erzählerin mit dem Namen einer Prinzessin schildert. Das macht "Gebete für die Vermissten" zu einem besonderen Buch. Es ist ein Leseerlebnis, das mitnimmt, erschüttert, in Hochspannung versetzt, einfühlsam, skurril und versöhnlich ist und zeigt, wie stark Frauen sind.

Instagram

Sabine Gelsing

Alle Rechte vorbehalten ®