Der Debütroman 'Der Defekt' von Leona Stahlmann eignet sich nicht für ein Lesen zwischendurch.

Er ist gewagt, anspruchsvoll. Weder Inhalt noch Stil entsprechen der Norm. Das Thema ist so außergewöhnlich wie die Sprache.

Jeder Satz ein Treffer, der sich unter die Haut nesselt und verweilt. Und trotz (oder wegen) dieses Brennens habe ich es genossen.

Wer das Cover auf sich wirken lässt und den Klappentext liest, ahnt: die Lektüre kann weh tun.

Es geht um ein Dorf, es geht um einen Wald. Beides sortenrein.

Und es geht um Mina.

Um Mina, die ihre Sexualität entdeckt. Die anders ist, nach Schmerz verlangt. Und es geht um Vetko, bei dem sie findet was sie braucht, um sich in der Welt zu fühlen. Mina scheint zu existieren, zu leben, wenn es weh tut. Gleichzeitig ist sie verloren, weil sie anders ist. "Ich nähe mir Hemden aus Nesseln, denkt sie bitter. Ich schlafe darin."

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Ein großartiges Buch über die Suche nach einer Heimat in sich selbst. Ein Buch in umwerfend, poetischer Sprache.

Eins, das mit dem Thema BDSM einen kühnen Weg beschreitet und mit Sätzen, die den Atem rauben belohnt (und irritiert).

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Sabine Gelsing

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