Sue Monk Kidd entführt mich in eine Welt, in der ich verweilen möchte: Eine Welt, errichtet aus Historie, wiederbelebt durch den Hauch der Fiktion, von der ich mir beim Lesen wünsche, sie möge wahr sein.

 

Ana ist ein junges Mädchen und Ana ist anders. Sie passt nicht in die Zeit des Jahres 16 n. Chr.

Ana will lesen, schreiben, unterrichtet werden. Sie will den Frauengestalten der Bibel durch ihre Aufzeichnungen Anerkennung verschaffen, sie unvergessen machen. Ana will wahrgenommen werden, sie will nichts mehr, als eine Stimme sein. Sie ist schlau, aber nicht alles gelingt und so gerät sie in Schwierigkeiten - und sie trifft Jesus. Er heiratet sie und das bestmögliche geschieht: sie lieben sich.

 

Nur zwei der von Sue Monk Kidd im Roman geschilderten Ereignisse sind überliefert: Jesus Taufe und Kreuzigung. Alles andere ist Fiktion, entspringt ihrer Phantasie.

Dieser fiktive Teil ist ihr auf eine Weise gelungen, die tiefe Wertschätzung für Religion erkennen lässt und mir gleichzeitig so wünschenswert erscheint, dass ich Wehmut verspüre.

Das Buch Ana thematisiert die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, ohne Klischees, mit Herz und Verstand. Dadurch, dass sie das Thema an den Beginn unserer Zeitrechnung setzt, bekommt es Gewicht.

Sie schreibt Jesus eine starke Frau an die Seite, sie erzählt SEINE Geschichte aus IHRER Sicht.

Es ist das Buch Ana.

 

Die Autorin hat nicht nur einen mutigen und unterhaltsamen Roman geschrieben, sondern auch ein erklärendes, umsichtiges - möglicherweise notwendiges - Nachwort.

Dass sie sich der Geschichte des Jesus von Nazareth behutsam und respektvoll genähert hat, wird niemand bezweifeln.

Am Ende bleibt die Frage:

Wie sähe es in der Welt aus, hätte Jesus eine (Ehe)Frau gehabt?

Überliefert.

Anerkannt.

Würde er uns weniger göttlich, mehr menschlich erscheinen?

Diese Frage kann jeder für sich beantworten.

Das Frauenbild wäre, nach meiner Überzeugung, gestern, heute, und morgen ein anderes.

 

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Sabine Gelsing

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