3 von 5

Sie sind sich einig, die richtige Antwort ist „Ja“. Doch der 22jährige, uneinsichtige Geschichtsstudent Karl Bleimfeldner ist dagegen - „Was zählt eine lächerliche Stimme?“ (S.8) - und löst eine Hetzjagd gegen sich aus. 

Thomas Arzt beleuchtet die Geschehnisse dieses einen Tages aus verschiedenen Perspektiven. Die Lesenden sehen in die Köpfe seiner Figuren, gehen mit jenen, die den Nationalsozialismus bereits verinnerlicht haben, mit denen, die bloß auf persönliche Vorteile aus sind, mit einigen, die sich nicht trauen, zu widersprechen. Zweifler gibt es. Aber da das Ergebnis „der Wahl“ eh feststeht: Warum sich unbeliebt machen? Und dann sind da noch die Kinder, die Jugendlichen, die heilfroh sind, zu jung für dieses Kreuz zu sein. Denen man aber schon mal beibringt, was „Volksverräter“ sind und, dass sie denunziert werden müssen. 

Ich kann mich in jede Figur einfühlen, wenn auch oft mit Unbehagen. Ich fühle den Erwartungsdruck, den Karl auf sich gelegt hat, fühle seine Angst und seine Zweifel, fühle den Gruppenzwang, der auf denen liegt, die gegen ihre Überzeugung stimmen. Fühle Fanatismus und Dynamik. „Die Gegenstimme“ ist keine leicht zu lesende Lektüre, denn der Autor schreibt in Dialekt, konstruiert ungewöhnliche Sätze, lässt Worte weg, fängt Sätze (gerne zu Beginn eines Kapitels) mit einem Verb an. Ich brauchte eine Weile, bis ich mich an Satzbau, Ton und Rhythmus gewöhnt hatte, brauchte Pausen, wenn das Lesen anstrengend war. Das Dranbleiben zahlte sich aus, denn der Roman belohnt mit einer kraftvoll unverkennbaren Stimme und großartigen Figuren.