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Hier meine Zusammenfassung: 

Wie kann ein Junge, der nichts hat, der Zeuge des Mordes an Mutter und Geschwistern war, derart schöne und geduldige Augen haben? Der 11jährige Martin ist den abergläubischen Dorfbewohnern jedenfalls unheimlich. Sie halten den Hahn, der dem Jungen auf der Schulter hockt, sicherheitshalber und als Ausrede für ihre Ablehnung, für den Teufel.

Martins Welt ist geprägt von Gewalt, Dunkelheit, Brutalität, skurrilen Gestalten und Legenden. Eine dieser Legenden besagt, dass ein schwarzer Reiter Mädchen entführt. Als Martin Zeuge eines solchen Raubes wird, beschließt er, die verschwunden Kinder zu suchen und zu retten. Auf der langen Reise kommt Martin der Grenze des Erträglichen gefährlich nahe. Er ist weitestgehend auf sich allein gestellt, immer auf der Hut, dass es ihm und seinem Freund, dem Hahn, nicht an die Gurgel geht. Am Ende der Heldenreise findet Martin das Böse, stellt sich einer großen Herausforderung, wächst über sich hinaus.

Sprachlich wundervoll und eindrücklich erzählt, rückt die Autorin Stephanie vor Schulte Leben und Tod, Gut und Böse ins Licht und zusammen: 

„Er sieht Blätter, die in der Sonne glitzern, und versucht die Leichen zu vergessen, die in den Wäldern verfaulen oder auf den Wiesen vertrocknen.“ (S. 104). 

Ihre Art die Geschichte zu erzählen, passt zum altertümlichen Setting, zur Düsternis im Innen und Außen der Figuren. Jeder Satz sitzt, es gibt kein Zuviel.

Die Geschichte ist, obwohl sie im Mittelalter verortet zu sein scheint, zeitlos. Ich lese sie vor allem als Plädoyer dafür, wie erhellend ein Blick hinter Fassaden sein kann: „Aber Wissen und sehen ist nicht eins.“ (S.160)

„Junge mit schwarzem Hahn“ ist ein märchenhaftes Lesevergnügen: Der Roman packte mich auf Seite 5, hielt mich fest bis Seite 223. Spüre die Umklammerung aber immer noch.