Blauauge von Jasna Mittler

 

Der Roman ist in drei Teile gegliedert: 

I. Die Reise der Brüder Haüy: 

Kurz vor dem Tod ihres Vaters kehrt Hanna zurück in die Eifel. Sie soll die Arbeit an einem Denkmal zu Ehren des Mineralogen René Just Haüy beenden. Hanna entstammt einer Bildhauerfamilie. Das handwerkliche Geschick wird über Generationen vererbt, scheint mit ihr jedoch so seine Schwierigkeiten zu haben. Jedenfalls entdeckt sie in der Werkstatt ihres Vaters in einer Nofretete-Büste einen Edelstein. Woher kommt er und könnte der Fund die finanziellen Probleme lösen? 

Hanna reist nach Paris. Sie vermutet, dass es sich um Blau-Auge handelt, um den Stein, der in engem Zusammenhang zu dem Denkmal steht, das sie René Haüy setzen soll.

Auf der Ebene der Vergangenheit reisen die Brüder Haüy durch die Jahre 1778 bis 1784: Der Stein gelangt aus einem Mündiger Kloster in den Besitz von René Just, der ihn wegen der Verliebtheit seines Bruders verliert.

II. Die Befreiung:

In der Gegenwart erfährt Hanna, wie sehr ihre Familiengeschichte mit der Geschichte des Edelsteins verknüpft ist. 

Auf der Ebene der Vergangenheit (1812 bis nach 1815) erhält René den Stein zurück und er landet in einem Museum. Einige Zeit später wird er gestohlen. 

III. Basaltsommer

Hanna besucht ihre Großtante Käthe, findet alte Briefe, eine guten Freund, söhnt sich aus und ruiniert (beinahe) das Denkmal von René Just. Auf der Ebene der Vergangenheit (1917 bis 1924) zieht Hannas Großvater in den Krieg, wird eine Wette um den Edelstein geschlossen und Blau-Auge versteckt. 

Die Autorin schickt ihre Protagonistin und mich durch Gegenwart und Vergangenheit, deutet Geschehnisse in der Zukunft an, hält das Tempo hoch. Alles hängt mit allem zusammen. Oft weiß ich mehr als die Figur, was stark ist, weil die Autorin dies stets im Blick hat.

Sie wechselt die Zeitebenen wie ein Klavierspieler die Oktaven und hat dabei stets das ganze Stück vor Augen. Sie beherrscht das Instrument. 

Geschichtliche Hintergründe erfahre ich aus der Romanhandlung, aber gelegentlich auch nebenher. Auch das ist mutig. Sie wechselt den Stil, rafft die Zeit, einem Geschichtsaufsatz ähnlich; dennoch habe ich nicht den Eindruck, sie will bloß Informationen an die Leser:innen bringen. 

Absolut großartig finde ich die Präsenz der Brüder Haüy. Sie helfen Hanna aus der Patsche und geben dem Roman einen humorvolle Färbung. 

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Einzig die Beziehung Hannas zu ihrem Vater scheint mir zweifelhaft. Hätten sich die beiden vor seinem Tod nicht ausgesprochen? Schließlich traut er ihr die Fertigstellung des Denkmals zu. Aber sind wir ehrlich, innerhalb einer Familie werden doch gerne und oft die wichtigsten Dinge zu Lebzeiten unter den Teppich gekehrt. 

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Ich empfehle Blau-Auge und zwar nicht nur Fans historischer Romane.