Zwischen Religion und Identität

Auf der 'Schönen Insel' lebt ein namenloses Mädchen. Sie weiß nicht, woher sie kommt und nicht, wohin sie gehen wird. Als Findling hat sie keine Rechte, niemand wird ihr ihr Miroloi singen. Da sie der Betmann aufgenommen hat, wird sie täglich mit den religiösen Bräuchen konfrontiert und ihr wird bewusst, dass sie sich das Miroloi selbst singen muss. 

Und so besingt das Mädchen in 128  Strophen ihr Leben, singt von patriarchalen Strukturen, Macht, Ohnmacht, sexualisierter Gewalt, Mobbing, Misshandlung und Verrat unter dem Mantel der Religion, die selbstgemacht und willkürlich ist. Sie singt von der ersten Liebe, vom Wasser, den Sternen, vom Erwachsenwerden, von Freundschaft, Fortschritt, von der Macht der Buchstaben, von Kapitalismus, Verrat und Riten. 


Die Sprache ist poetisch, verleiht dem Miroloi des Mädchens Authentizität, ist einem Kind, einer Jugendlichen auf der Schwelle zum Erwachsenwerden angemessen. Vieles macht das Mädchen mit sich aus. Sie entwickelt sich weiter, hinterfragt den Sinn der Gesetze, plädiert und kämpft für Gleichberechtigung und gegen seine Zweifel an der Religion.

Es singt die Geschichte seiner Selbstbefreiung und vom Kampf gegen Geschlechternormen. Es leidet nicht nur das Mädchen. Es leiden auch Männer, die nicht singen, kochen, keine Frauenkleider tragen dürfen. 


Die Leser:innen lernen eine Kultur kennen, die fernab des Denk- und Vorstellbaren zu sein scheint. 

Allerdings, wer kennt sie nicht, die Welt, in der Geschlechterrollen aufgebrochen werden müssen, in der im Namen von Religion Handlung gerechtfertigt wird, in der Gesetze gebeugt und Minderheiten diskriminiert werden, in der Bildung ein Privileg ist, in der, um dies zu erlangen, gekämpft, in der gehofft wird?